„echt“: So lautete das Motto der 79. Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung. Die Tagung fand vom 8. bis 11. April 2026 zum großen Teil in der Akademie für Tonkunst Darmstadt statt. Im Zentrum standen Fragen nach Echtheit, Glaubwürdigkeit und Nachprüfbarkeit von Daten und Fakten in einer komplexen, medial geprägten Welt.
Wir erleben Uneindeutigkeit und Konfusion von Identitäten, politischen Richtungen und Aussagen. Dies bewirkt einerseits Verunsicherungen, andererseits Tendenzen zu einseitigen und scheinbar einfachen Problemlösungen. Ob und wie kann zeitgenössische Musik Möglichkeiten eröffnen, diese Entwicklungen zu reflektieren? Bei der Tagung ging es darum, die breite Assoziationspalette von „Echt“ und „Echtheit“ zu nutzen, um eine Auseinandersetzung mit künstlerischen Deutungsspielräumen anzuregen, die sich eindimensionalen (Zu-)Stimmungen entziehen.
Im Fokus der Tagung standen daher Kompositionen und künstlerische Projekte, die mit Opazität, Ambivalenz, Zeigen und Verbergen arbeiten. In vier Themenblöcken wurden Vorträge, Diskussionen und künstlerische Beiträge kombiniert. Thematisiert wurden dabei u. a. die musikinterne Frage der Deutbarkeit und die Wahrnehmung in psychologisch und physiologisch bedingten „Parallelwelten“.
Zum abwechslungsreichen Tagungsprogramm gehörten auch mehrere Konzerte. Unter dem Titel „Echte Lieder?“ musizierten dabei am Freitag, 10. April 2026 Studierende der Akademie für Tonkunst. Neben Werken von Rebecca Saunders, Keith Jarrett, Dimitri Kabalewski, Anton Webern, Claude Debussy oder György Kurtág standen auch eigene Kompositionen auf dem Programm. Ebenso gab es an diesem Tag einen Parcours der Möglichkeiten in der Akademie für Tonkunst. An mehreren immersiven und partizipativen Stationen konnte sich das Publikum dabei selbst kreativ einbringen sowie Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen erhalten.
Des Weiteren waren mehrere Workshops Teil des Programms der Frühjahrstagung. Beim „Wiesenkonzert“ wurden Kindergartenkinder in einer Mischung aus Improvisation und musikalischer Elementarbildung selbst zu Komponisten. Im Kurs „Klangverwirrung“ gingen Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren auf Klangforschungs-Exkursion. Sie nahmen Umgebungsklänge auf, erstellten Klangcollagen und bastelten verrückte Klangskulpturen. Der Kurs „Vielsinnliche Musik“ war ausgelegt für gehörlose, schwerhörige und hörende Erwachsene. 32 Personen nahmen daran teil und beschäftigten sich mit neuen Formen des Musizierens und musikalischer Performance.
Die Jahrestagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung wird gefördert u.a. von der Wissenschaftsstadt Darmstadt, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Akademie für Tonkunst Darmstadt sowie das Jazzinstitut Darmstadt sind Kooperationspartner.
Die nächste Frühjahrstagung des INMM Darmstadt wird vom 31. März bis 3. April 2027 stattfinden.